Web 2.0 in Archiven, Bibliotheken und Museen

Web 2.0 in Archiven, Bibliotheken und Museen

Das Internet ist aus unserem Leben nicht mehr weg zu denken. Manche Inhalte, die nicht im Internet zu finden sind, nehmen wir nicht mehr wahr. Inzwischen reicht uns das Finden von Beschreibungen oft nicht mehr aus – wir erwarten in immer mehr Situationen den sofortigen weltweiten Zugriff auf den Inhalt selbst, etwa bei Musik über iTunes oder musicload.

Bibliotheken, Archive und Museen verfügen über große Ressourcen auf dem »Markt« der wissenschaftlichen und kulturellen Inhalte. Leider werden diese Ressourcen in der Öffentlichkeit oft wenig geschätzt. Das Internet kann helfen, die öffentliche Wahrnehmung der einzelnen Institutionen substantiell zu verbessern. Das erfordert zuerst klassische Web 1.0-Techniken: Erschließungsinformationen und Inhalte müssen in das Internet gebracht werden.

Die Vernetzungstechniken von Web 2.0 ermöglichen, dass jeder Benutzer sein eigenes Internet entwirft. Für die Anbieter von Inhalten geht es darum, in diesem personalisierten Internet eine Rolle zu spielen. Im Moment scheint es so, als würden die großen Medienkonzerne das Rennen machen. Unternehmen wie Google, Disney und Co. investieren große Summen in den Bereich der Akquise, Vermittlung und Verwertung wissenschaftlicher und kultureller Inhalte. Bei aller aktuell vorhandenen Marktmacht darf man jedoch nicht vergessen, dass diese Unternehmen nur über einen verhältnismäßig geringen Bestand an eigenen Inhalten verfügen. Sie müssen vielmehr die jeweiligen Inhalte erst entwickeln bzw. einkaufen. An diesem Punkt kommen die zentralen Alleinstellungsmerkmale der Archive, Bibliotheken und Museen zum tragen: sie verfügen über eine fast unerschöpfliche Menge an Inhalten, Informationen und Exponaten; und sie verfügen über die Kompetenz, um diese Inhalte den Benutzern zugänglich zu machen.

Für die einzelnen Institutionen entstehen dadurch vielfältige Möglichkeiten:

  • Auf der Grundlage der eigenen Inhalte und der eigenen Vermittlungskompetenz können sie wertvolle Angebote entwickeln.
  • Das Internet funktioniert sehr oft als Multiplikator von Inhalten und Informationen und es ermöglicht deren globale Verfügbarkeit. Durch das Internet können Forscher aus aller Welt auf Informationen und Datensätze zugreifen. Diese globale Öffnung des Bestands ermöglicht völlig neue Wege in Forschung und Wissenschaft. Damit besteht die Möglichkeit, neue Zielgruppen – auch für noch so ausgefallene Inhalte – zu erschließen.
  • Bildung ist ein zentrales Element der Wissensgesellschaft und damit Teil unserer Freizeit. Die Institutionen werden also nicht mehr nur Orte des Wissens, der Forschung oder der Begegnung, sondern vielmehr auch Orte der Freizeit sein. Dies ist kein Prozess, der sich in der Zukunft entwickeln wird, es ist vielmehr die gelebte Realität.
  • Die partizipative Tendenz des Web 2.0 – Vernetzung und user generated content – lässt die Grenzen zwischen Anbieter und Nutzer von Inhalten zerfließen. Bibliotheken, Archive und Museen werden ebenso in die Kommunikation der Nutzer integriert, wie deren Wünsche und Kommentare unmittelbar die Arbeit der Institutionen beeinflussen.