»Feuer, Wasser, Krieg und andere Katastrophen«: Tag der Archive am 3./4. März

Tag der ArchiveAm kommenden Wochenende (3./4. März 2012) findet der Tag der Archive unter dem Motto »Feuer, Wasser, Krieg und andere Katastrophen« statt. Seit 2001 öffnen die teilnehmenden Archive ihre Pforten, um interessierten Besuchern einen Einblick hinter ihre Kulissen zu bieten.

Initiator des Tags der Archive ist der Berufs- und Fachverband Verband deutscher Archivarinnen und Archivare e.V. (VdA). Nach dem Vorbild des Tags des offenen Denkmals möchten der Verband und die Archive in der Öffentlichkeit ihre gesellschaftliche Rolle als Bewahrer und Überlieferer von Kulturschätzen in Deutschland stärken. Der VDA koordiniert überregional den Tag, die einzelnen teilnehmenden Archive konzipieren und führen individuell ihre Veranstaltungen vor Ort durch. Auf diese Weise gibt es für die Besucher viel Spannendes, Neues, Verschiedenartiges zu entdecken. Keine Veranstaltung eines Archivs gleich einer anderen.

Dieses Jahr stehen alle Veranstaltungen unter dem Motto »Feuer, Wasser, Krieg und andere Katastrophen«. Schauen wir mal, was es da so alles gibt. Natürlich ist es nur eine kleine Auswahl und soll Geschmack und Lust auf mehr machen. Mehr als 350 Archive in 160 Städten und Gemeinden nehmen teil.

Stadtarchiv Speyer

Am 3. März, von 10–14 Uhr öffnet das Stadtarchiv Speyer seine Räume und zeigt sonst nicht zugängliche Bereiche wie die Magazine des Archivs und der Urkundenraum den Besuchern. Neben Archivführungen beantworten die Mitarbeiter die Fragen der Besucher. Unter dem diesjährigen Motto organisierte das Archiv eine kleine Ausstellung, die brandgeschädigte Urkunden zeigt. Die über 500 Jahre alten Pergamenturkunden waren in den 1970er Jahren durch einen Brand im alten Magazin des Archivs schwer beschädigt worden. Zur Unterstützung des Restaurierungsprojektes sammelt das Archiv auf einem Flohmarkt (u. a. Verkauf von Dubletten älterer Speyerer Zeitungsbände) Gelder. Weitere Spenden sind natürlich gern gesehen. Weitere Informationen gibt es hier.

BStU, Außenstelle Schwerin

Am Sonntag kann man die Außenstelle Schwerin des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen von 10–16 Uhr besuchen. Stündlich gibt es Führungen durch das Archiv. Es werden die unterschiedlichen digitalen Recherchemöglichkeiten erklärt, Auszubildende erklären das Berufsbild FAMI. Es gibt eine Paläographie-Werkstatt, Anträge auf Akteneinsicht werden angenommen und typische Aufgaben archivtechnischer Aufbereitung von Akten wie Paginieren und Reparieren werden vorgestellt. Weitere Informationen gibt es hier.

Niedersächsische Landesarchiv Hannover

Am Samstag können alle Interessierte von 11–17 Uhr in das Landesarchiv strömen. Gleich zwei Ausstellungen werden den Besuchern geboten: im Foyer des Treppenhauses die Ausstellung »Ausbombung und Leinehochwasser. Das Schicksal des Archivs während und nach dem Zweiten Weltkrieg«, im Benutzersaal diejenige zum Thema »Die geschädigten Objekte und ihre Behandlung. Methoden der Konservierung und Restaurierung«. Neben Archivführungen zur halben und vollen Stunde gibt es einen Paläographie-Workshop »Schreiben und Lesen alter Schriften«. Besucher lernen das Lesen alter Schriften wie die deutsche Kurrente und können zur Identifizierung ihre eigenen alten Schriftstücke mitbringen. Für Kinder gibt es eine eigene Werkstatt zum Malen und Basteln von Wappen, Schilden und Lesezeichen. Weitere Informationen gibt es hier.

Stadtarchiv Lauf a.d. Pegnitz

Auch dieses Stadtarchiv öffnet am Samstag seine Pforten. Unter dem Motto »Ein Gedächtnis – nicht nur aus Papier« gibt es Führungen durch das Archiv. Um 15 Uhr gibt es eine spezielle Archivführung für Kinder: »Ein Saurierzahn, ein Brief des Königs und 500 Milliarden«. Am Schriftentisch werden Bildermappen und stadtgeschichtliche Literatur zum Kauf angeboten. Der »Wühlkorb« bietet teilweise vergriffene heimatgeschichtliche Literatur, die gegen eine Spende erworben werden kann. Weitere Informationen gibt es hier.

Diese fünf Veranstaltungshinweise sollen Lust auf mehr machen. In fast jeder Stadt oder Gemeinde in Deutschland sind am kommenden Wochenende die Archive für Sie geöffnet. Schauen Sie vorbei, entdecken Sie Geschichte und Archive, schauen Sie sich die Ausstellungen an, lauschen Sie den Vorträgen oder nehmen Sie an Workshops teil. Für Groß und Klein ist garantiert etwas dabei. Hier finden Sie das vollständige Programm zum Tag der Archive 2012. Mittels PLZ-Suche können Sie bequem nach einem Archiv in ihrer Umgebung suchen. Viel Freude beim Entdecken wünschen wir!

Perlen der Woche 8/2012: interessante und wichtige Linktipps zu Digitalisierung, Archiv, Bibliothek und Museum

Perle der WocheIm Laufe der Woche finden wir interessante und spannende Beiträge, Informationen, Videos oder Podcasts rund um das Thema Digitalisierung, Archiv, Bibliotheken und Museum, die wir auf Twitter oder Google+ posten. Ab heute präsentieren wir Ihnen jeden Freitag davon 5 ausgewählte »Perlen«, die uns besonders wichtig und bemerkenswert fanden.

1. Perle: »Speichern statt ablegen«
Speichern statt Ablegen: wie gehen Archive mit der Flut digitaler Daten um? Bayern, Baden-Württemberg und Hessen haben in Stuttgart ein Abkommen geschlossen, weiter an einer hochkomplexen Archivsoftware zu arbeiten. Seit 2005 wird ein Programm entwickelt, das Filme, Dokumente, Fotos oder Töne zu speichern vermag ganz unabhängig von ihrem ursprünglichen Format und der Software, mit der sie entstanden. Da die Entwicklung so komplex und kostenintensiv ist, kann sie nur noch in Kooperation mit anderen Instituten und Bundesländern bestritten werden.

Hier der Link zum Artikel »Speichern statt ablegen«

2. Perle: »Gesetz verfehlt sein Ziel«
In wenigen Tagen stimmt das französische Parlament über einen Gesetzesentwurf zur Digitalisierung verwaister Werke ab. Französische Autoren protestieren nun gegen den Entwurf, da er ihrer Meinung nach gegen das Urheberrecht verstößt.

Hier der Link zum Artikel »Gesetz verfehlt sein Ziel«

3. Perle: »Bibliotheken lotsen in der digitalen Welt«
Zunehmend bieten Bibliotheken die Ausleihe von eBooks über eine Onleihe an. Bis jetzt können bei 10 Prozent aller öffentlichen Bibliotheken die Leser diesen Service nutzen. Langsam brechen Bibliotheken in die neue, digitale Welt auf.

Hier der Link zum Artikel »Bibliotheken lotsen in der digitalen Welt«

4. Perle: »Kulturstaatsminister Bernd Neumann fördert Digitalisierung zum Erhalt nationalen Filmerbes«
Die Bundesregierung startet eine Initiative zum Erhalt des nationalen Filmerbes: »In einem ersten Schritt werden dem Bundesarchiv in diesem Jahr 230.000 Euro für die Digitalisierung von historischem Filmmaterial zur Verfügung gestellt. Durch das Projekt werden vor allem die technischen Voraussetzungen für die zeitgemäße Sichtung von altem Filmmaterial im Bundesarchiv geschaffen und damit künftige Verwendungen in Film- und Fernsehproduktionen ermöglicht. Darüber hinaus soll mit diesen Mitteln das historische Filmmaterial zum Ersten Weltkrieg digitalisiert werden, um es zum 100. Jahrestag des Beginns dieses schrecklichen Krieges im Jahr 2014 zur öffentlichen Nutzung bereitzustellen.«

Hier der Link zum Artikel »Kulturstaatsminister Bernd Neumann fördert Digitalisierung zum Erhalt nationalen Filmerbes«

5. Perle: »Buch und Computer verschmelzen«
Leuphana reagiert auf tiefgreifenden Wandel – Bibliothek fusioniert mit Medien- und Rechenzentrum. Mit der Zusammenlegung will die Leuphana den Service im Informations- und Bibliotheksbereich für ihre Universitätsmitglieder verbessern.

Hier der Link zum Artikel »Buch und Computer verschmelzen«

Foto: Grace Winter/pixelio.de

Enumerate-Umfrage zu Digitalisierung von europäischem Kulturgut

ENUMERATE ist ein EU-gefördertes Projekt, an dem unter Führung der Collections Trust zahlreiche Stiftungen und Bibliotheken zum Thema Digitalisierung gemeinsam arbeiten. Ziel von ENUMERATE ist es, zuverlässige statistische Daten über die verschiedenen europäischen Digitalisierungsprojekte zu sammeln und auszuwerten.

Damit soll einerseits überhaupt statistisches Datenmaterial zu dem Thema bereitgestellt, andererseits so auch mittels dieser interessierten Museen, Archiven, Bibliotheken und Kultureinrichtungen eine Handreichung zur Qualitätssicherung von Digitalisierungsprojekten gegeben werden. Denn Digitalisierung ist kostenintensiv. Auf gut Glück zu digitalisieren hilft nicht, gezielt und planvoll das europäische Kulturgut zu sichern und online zugänglich zu machen. Vielmehr sind abgestimmte und sinnvoll im Umfang, in der Quellenauswahl und in der Aufbereitung projektierte Digitalisierungsvorhaben diesem Ziel zuträglicher. Damit Museen, Bibliotheken und Archive entsprechende Digitalisierungsstatregien entwickeln können, benötigen sie statistisches Datenmaterial. An dieser Stelle setzt ENUMERATE an, das auf dem NUMERIC Projekt (2007–2009) methodologisch aufbaut und es optimiert.

Am ENUMERATE-Projekt sind u. a. folgende Kulturstiftungen, Ministerien und Bibliotheken beteiligt:

  • Collections Trust, UK (Projektkoordinator);
  • Digitaal Erfgoed Nederland (DEN), Niederlande;
  • Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Deutschland;
  • Digibís, Spanien;
  • FARO Vlaams Steunpunt voor Cultureel Erfgoed, Belgien;
  • Ministère de la Culture et de la Communication, Frankreich;
  • Österreichische Nationalbibliothek, Österreich;
  • Narodna in univerzitetna knjižnica (National and University Library), Slowenien;
  • Országos Széchényi Könyvtár (OSZK; National Széchényi Library), Ungarn;
  • The European Library (hosted by the Koninklijke Bibliotheek, Niederlande)

Mittels unterschiedlicher thematischer Umfragen möchte ENUMERATE die Daten zur Digitalisierung sammeln, wobei mit den Fragen auch in die Tiefe der Materie eingestiegen werden soll. Die Ergebnisse – sowohl Roh- als auch statistische ausgewertete – werden als Open Data allen Interessierten zur Verfügung gestellt. Somit profitieren schließlich alle Museen, Kulturstiftungen, Archive und Bibliotheken von diesem Projekt.

In der aktuellen Umfrage geht es vor allem um den Digitalisierungsstand der an der Umfrage teilnehmenden Institutionen, um Digitalisierungsstrategien und um Monitoringmöglichkeiten. Bitte nehmen Sie an der Umfrage teil und unterstützen Sie so ENUMERATE! Hier geht es zur aktuellen Umfrage. Sie ist bis 1. März freigeschaltet und enthält 32 Fragen.

ENUMERATE bloggt und twittert. Auf LinkedIn gibt es eine Gruppe zum Projekt. Mit einem Newsletter bleibt man immer auf dem Laufenden.