Buchdruckmaschinen: Neue Serviceleistungen für Bibliotheken?

Wenn man so will, ist die Idee von Buchdruckmaschinen in Bibliotheken als Serviceleistung eine konsequente Fortsetzung des Digitalisierungsidee.

Im Grunde ist die Vorstellung schon kurios. Da gibt es in einer Bibliothek Tausende oder Millionen gedruckte Bücher, die je nach Urheberrechtsstatus mit Erlaubnis der Verlage oder als gemeinfreie Werke von den Bibliotheken eingescannt und indiziert, also digitalisiert werden – meist mit dem Ziel, die Originale zu schonen und die Inhalte (welt-)weit verfügbar zu machen. Und nun gibt es Maschinen, die so kompakt sind, daß Bibliotheksnutzer mit ihnen diese Digitalisate wiederum ausdrucken und zu Büchern binden können. Also zurück zum Ursprung? Ist das nicht etwas irrsinnig? Nicht ganz, wenn man sich den Nutzen dieser Buchdruckmaschinen genauer durchdenkt.

Mit der Digitalisierung stehen dem Nutzer elektronische Sammlungen zur Verfügung, in denen er schnell und bequem für sein Forschungsvorhaben, nach seinen Interessen recherchieren und im Idealfall sein eigenes, individuelles Dossier zusammenstellen kann. Optimal wäre es, wenn er dieses Dossier nicht nur lokal in der Bibliothek, sondern auf allen geeigneten Abspielgeräten wie eigenen Laptops, Tablets, Smartphones etc. nutzen könnte. Jedoch ist diese globale Nutzung eines eigenen Dossiers oft noch Zukunftsmusik, teils aus technischen, teils aus urheberrechtlichen Beschränkungen. Hier (und natürlich bei vielen anderen Gelegenheiten auch) ist ein Papierausdruck eine naheliegende Nutzungsmöglichkeit der Digitalisate.

Eine Buchdruckmaschine, wie sie im folgenden Film vorgestellt wird, wäre dann sehr nützlich. Als Bibliotheksnutzer hätte man die Möglichkeit, größere Mengen an (individuell zusammengestellten) Digitalisaten selbst auszudrucken und sie zudem binden zu lassen – ein entscheidender Vorteil gegenüber den losen Blätterbündeln einer Kopie, die einen durch das Studium bzw. Forschungsleben begleiten.

Natürlich gibt es neben den Kostenfragen (Kauf, Wartung) auch urheberrechtliche Punkte zu bedenken. Bei gemeinfreien Werken stellt das Ausdrucken kein Problem dar, wohl aber bei Digitalisierungsprojekten, die urheberrechtlich geschützte Werke umfassen. Bei positiver Klärung der wirtschaftlichen und rechtlichen Fragen wäre eine Buchdruck- und Bindemaschine aber ein weiterer Schritt auf dem Weg von der Bibliothek als Bücherort zum Servicedienstleister in der Informationsgesellschaft.

Darüber hinaus eignet sich solch eine Maschine als universitäre Anschaffung auch für die Lehre, um organisatorisch recht einfach z. B. Skripte der Lehrenden für die Studenten anzubieten. In letzter Konsequenz heißt dies – analog zu den Digitalisaten in den Bibliotheken – eine Umgehung von Dienstleistungen der Verlage. Selfpublishing würde dann also auch im akademischen Bereich eine nicht zu unterschätzende Konkurrenz für die Verlagswelt werden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte lösen Sie folgende Aufgabe *