Karlsruher Adreßbücher digitalisiert

Adressbuch Karlsruhe im Webauftritt der BLB (Screenshot)

Die Tage erreichte mich eine Nachricht, die nicht nur Historikerherzen, sondern auch die Herzen aller Digitalisierungsfreunde höher schlagen läßt. Die Badische Landesbibliothek hat die Adreßbücher der Stadt Karlsruhe für den Zeitraum von 1818 bis 1949 digitalisieren lassen. Mit Hilfe von insgesamt rund 54.000 Seiten kann man sich nun intensiv mit der Geschichte Karlsruhes auseinandersetzen. 1818 erschien unter dem Titel „Wegweiser für die Großherzogliche Residenzstadt Karlsruhe“ im Verlag Gottlieb Braun das erste Adreßbuch. Der Endpunkt 1949 wurde laut Pressemitteilung der Badischen Landesbibliothek aus Kostengründen gesetzt, jedoch auch so gewählt, daß die Änderungen in der urbanen Bevölkerungsgeschichte im Zuge des Zweiten Weltkrieges noch nachvollzogen werden können.

Warum sind Adreßbücher so wichtige historische Quellenbestände?

Adreßbücher sind zwar in gewisser Weise mit heutigen Telefonbüchern zu vergleichen, aber in ihnen steckt noch wesentlich mehr. In ihnen werden straßenzugweise für jedes Haus die Bewohner samt ihrer Tätigkeit/Beruf genannt. Sie sind also wertvolle historische Quellen zur Erschließung von Stadtgeschichts-, Bevölkerungsgeschichts- und wirtschaftsgeschichtlichen Fragen. Mit ihnen kann man beispielsweise Zuzüge oder Stadtfluchten, Fragen nach ausgeübten Berufen (damit einhergehend des wirtschaftlichen Schwerpunktes einer Stadt) oder sozialgeschichtliche Fragen (wo wohnten bestimmte Berufsgruppen?) beantworten.

Daher ist es eine freudige Nachricht, daß die Karlsruher Adreßbücher nun jedem Interessierten als Digitalisate zur freien Verfügung stehen. Schnell sind sie auf der Webseite der Badischen Landesbibliothek unter Digitale Sammlungen > Drucke > Adreßbücher > Karlsruhe bequem von jedem Ort weltweit zu finden. Benutzerfreundlich ist die Zeitleiste, an der der Nutzer ohne Probleme genau sein gewünschtes Jahr bzw. das dafür entsprechende Digitalisat findet. Besonders lobenswert ist, daß die Kapitel der einzelnen Adreßbücher jeweils als PDF frei herunterladbar sind.

Das Durchblättern der Adreßbücher funktioniert ohne Probleme. Die Qualität der Digitalisate ist – nach stichprobenartigem Testen – gut fürs Arbeiten geeignet. Jedoch mußte ich einen großen Nachteil bei den Digitalisaten feststellen. Sie sind ausschließlich als Bilder angelegt, ein hinterlegter Volltext fehlt. Somit ist ein D

urchsuchen nicht möglich, was natürlich einer intensiven Bearbeitung durch Wissenschaftler im Wege steht. Letztlich können zwar Forscher die Digitalisate nutzen, für eine weitergehende Analyse müssen die Daten aber extra manuell extrahiert werden. Die fehlende Durchsuchbarkeit betrifft nicht nur die herunterladbaren PDFs, sondern auch die Webseite der Badischen Landesbibliothek. Aber genau dieser letzte Schritt wäre ein wesentlicher Vorteil eines Digitalisats gegenüber der Nutzung der Originalquellen (wenn man jetzt vom Vorteil des weltweiten Zugriffs absieht). Doch trotz dieses Kritikpunktes ist die Badische Landesbibliothek für dieses Projekt „Digitalisierte Adreßbücher der Stadt Karlsruhe“ ausdrücklich zu loben, da wir bisher in Deutschland insgesamt mit Digitalisierungsprojekten erst noch am Anfang stehen.

Link zu den digitalisierten Karlsruher Adreßbüchern (1818-1949) in der Badischen Landesbibliothek

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